Samstag, 21. Januar 2012
Elf
Da lebt man ständig so vor sich hin und irgendwann vergisst man, dass man eigentlich selbst dafür verantwortlich ist, wo man am Ende steht. Dann lässt man sich halt so treiben, vom Leben, und dem was man halt so unter leben versteht. Und während dem ganzen Treibenlassen vergisst man am Ende, wo man selbst dabei steht. Wofür man steht. Wer man ist. Ist ja auch viel bequemer so. Naja, sagen wir, es ist solange bequemer, solange wir uns vormachen können, dass wir den Spaß bestimmen und nicht davon bestimmt werden. Wenn wir das nicht mehr schaffen, geht es aber bei vielen auch schon los: Dann fängt man an, sich in dem Strom selbst steuern zu wollen - ganz kühn dagegen zu schwimmen. Ja, weil soviele Altkluge können nicht irren: Dass nur die toten Fische mit dem Strom schwimmen, weiß doch ein jeder. Schließlich sind wir wieder bei der alten existieren vs. das Leben auskosten Situation. Ich bin dafür, dass wir viel öfter aus dem Wasser steigen sollten. Am Ufer ist es erstens trocken und zweitens still. Nicht mehr treiben lassen, nicht mehr dagegenschwimmen. Stoppen, durchatmen und den anderen Lebenflußtreibern und -schwimmern zusehen. Innehalten und überlegen: Wo will ich hin? Wer will ich sein? Welche Eigenschaften empfinde ich als erstrebenswert? Und wenn ich mich entschieden habe, dann kann ich wieder mitmachen, beim Leben und gelebt werden. Ich glaube, wer ich bin, werde ich wohl nie so richtig wissen. Manchmal denke ich, ich bin grad näher am Kern. Ein anderes Mal fühle ich mich wieder ewig davon entfernt. Aber ich glaube, darauf kommt es auch nicht an. Es reicht wenn ich weiß, zu welcher Sorte Mensch ich gehören möchte und ich mich so oft es geht, so gut es geht, darum bemühe ein solcher Mensch zu sein. Ich werde nicht ständig mein Bestes geben können. Ich werde nicht immer dagegenschwimmen. Ich werde es vermutlich auch in Zukunft nicht schaffen, jeden Tag bis auf's Letzte auszukosten und bewusst zu er-leben. Aber ich denke, auch das ist in Ordnung, solange ich weiß, dass ich nach dem kurzen Verschnaufen, wieder selbst leben muss.

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