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Dienstag, 8. November 2011
Zehn
marina w., 19:00h
Wartend steh' ich am Bahnsteig und schaue auf die frostüberzogenen Steine zwischen den Gleisen. Sogar die Steine frieren hier, wie es aussieht. Wahrscheinlich bibbern die kleinen Süßen immer heimlich, wenn gerade ein Zug über sie hinwegrollt - dann merkt's niemand. Ganz heimlich. Kleiner Lichtblick - War das gerade ein Anflug von Witz? So schlimm steht es also doch noch nicht um mich. Eigentlich ja ganz nett. Nicht nur die Zwischengleissteine haben sich in prunkvollem Raureif gekleidet - Alles ist von dieser schrecklich schönen weissen Haut überzogen. Vielleicht frieren die Steine doch nicht. Vielleicht haben sie nur ihr Novembergewand herausgeholt. Die Natur macht sich fein für den elften der zwölf großen Jahresfürsten. Dieses Jahr sind feinste Gewänder aus edelsten Eiskristallen mit nebligem Hauch gefragt. Zeitlos elegant - Schrecklich schön - Betont kühl. Die Vorstellung gefällt mir. Alle jammern. Es ist zu kalt. Schreckliches Wetter. Ich bin oft genug verführt massenkompatibel miteinzusteigen in die selbstmitleidige Masse der Wetterhasser. Aber eigentlich sollten wir den November dieses Jahr loben. Er tut das was ein November im November machen sollte. "Warming-Up"-Party für den Winter. Undankbare Gäste hat er da geladen. Keine schlechte Laune mehr, weil weil weil... ja weil alle alle alle Umstände immer so schrecklich sind. Und wir jammern und jammern und am Ende ist sogar das Wetter schuld. Alles ist schuld, nur wir nie. Innehalten in den Momenten, an denen man glaubt verzweifeln zu müssen. Ich habe beschlossen, dass ich sooo nicht sein will. An manchen Tagen ist die Verlockung, das Wetter zu hassen, den Alltag zu hassen so groß. Aber ich bin für meinen Alltag verantwortlich und falsches Wetter gibt es nicht, nur falsche Kleidung. Also an den Tiefpunkten den inneren Schweinehund überwinden und trotzdem gut gelaunt sein und alles bewusst erleben und sich bewusst machen, wie lächerlich es ist, sich beispielsweise über das Wetter zu ärgern.Das schert sich nämlich nichts um uns.
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